Wettbewerbe

Franzosen besetzen uns ... oder: Skandal in Ratingen!

Wussten Sie eigentlich schon, dass wir Ratinger Bürger für einen kurzen Zeitraum von unseren französischen Nachbarn besetzt wurden? In unsere Stadtgeschichte zurückgeblickt, lassen sich eine Fülle von Informationen darüber finden, die von zwei Schülern des DBG, Chris Bender und Thorsten Kater im Rahmen des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten umfangreich ausgewertet und interpretiert wurden.

 
 
Ratingen - Es war der Donnerstag des 11.01.1923, als die französische Armee in das Ruhrgebiet einzog und es schon kurz danach besetzt hatte. Grund hierfür waren die nicht geleisteten Reparationszahlungen, die von Deutschland als Wiedergutmachung nach dem ersten Weltkrieg an Frankreich zahlen musste.
Seit dem Bestehen der Besetzung schränkten die Verordnungen der Besatzungsbehörde und die Anordnungen des für den Landkreis Düsseldorf verantwortlichen Generals Degoutte nicht nur das alltägliche Leben der Menschen im Beruf ein, sondern darüber hinaus auch die wirtschaftliche Situation, also das Berufsleben und erheblich das private Leben. Private Wohnungen mussten geräumt werden, Bürger wurden auf der Straße angepöbelt, der Schulunterricht fiel aus und die Betriebe wurden besetzt. Dem entgegneten die Ratinger mit Widerstand und Protestaktionen.
Die beiden Schüler der Jahrgangsstufe 12 des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums befassten sich genau mit diesem Thema und schrieben hierüber eine Facharbeit mit dem Titel „Die französische Besetzung Ratingens zur Zeit der Weimarer Republik als skandalöses Machtspiel? und die Reaktion der Ratinger Bürger – beeinflusste der Skandal den Alltag?“. Diese Arbeit reichten die beiden 18 und 19-jährigen Schüler beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten ein. Auf den Wettbewerb der Körberstiftung wurden die beiden Schüler aufmerksam durch ihre Leistungskurs-Geschichtslehrerin Frau Franke, die auch gleichzeitig Tutorin der Arbeit war.
 
An der Ausschreibung „Ärgernis, Aufstehen, Empörung: Skandale in der Geschichte“ haben sich in Nordrhein-Westfalen 977 Schülerinnen und Schüler mit 361 Beiträgen beteiligt. Die besten Beiträge wurden von einer Jury zum Landessieger ernannt, 79 Arbeiten wurden mit einem Förderpreis ausgezeichnet.
 
Am vergangenen Donnerstag wurden die beiden aus dem Unterricht geholt und in das Büro des Schulleiters gebeten:“ Große Spannung begleitete uns auf dem Weg. Die Überraschung war gelungen.“ Kurz darauf gratulierte Schulleiter Ernst Klein zu dem mehr als zufriedenstellenden Ergebnis. Ein Förderpreis im Wert von 100 € und eine Platzierung auf die man bei der anspruchsvollen Konkurrenz stolz sein kann.
 
„Auf jeden Fall finden wir auch für unsere Schule toll, dass wir Preisträger geworden sind. Gleichzeitig sind wir natürlich stolz auf unsere Arbeit“, so Kater und Bender. „Auf jeden Fall wollen wir uns auch bei Frau Dr. Erika Münster-Schröer, Leiterin Stadtarchiv und Stadtbibliothek Ratingen, für die Hilfe bei der Themenwahl bedanken und außerdem bei Herrn Joachim Schulz-Hönerlage, der uns sehr viele wichtige zeitgenössische Quellen zur Verfügung stellte und uns im Stadtarchiv betreut hat.

Info zum Wettbewerb

Bundesweit nahmen 3.631 Schüler mit insgesamt 1.152 Beiträgen am Wettbewerb teil. Die beste Schule in Nordrhein-Westfalen war das Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium in Münster. Die Bundessieger, die in einem Extraverfahren aus den jeweiligen Bundeslandsiegern hervorgehen wurden am 18. November 2011 im Schloss Bellevue ausgezeichnet.