10.09.2013 | Kanu-Slalom

Slalom-Kanuten fiebern WM-Beginn in Prag entgegen

Mit einer feierlichen Eröffnungsveranstaltung in der Prager Altstadt beginnen morgen die Kanu-Slalom-Weltmeisterschaften 2013. Nach einem bislang sehr erfolgreichen Wettkampfjahr will das Team des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) zum Jahreshöhepunkt an die Erfolge der vergangenen Olympiasaison anknüpfen.
Mira Louen

Insgesamt 47 Nationen gehen bei den am Donnerstag mit den Qualifikationsläufen beginnenden Rennen an der Moldau an den Start. In allen Kategorien gibt es außergewöhnlich große Starterfelder. Für Begeisterung und Vorfreude unter den Athleten und Betreuern quer durch alle Nationen schon vor Beginn der Titelkämpfe sorgte in den vergangenen Tagen die riesige, steile Zuschauertribüne direkt am Kanal, die die noch im Juni vom verheerenden Hochwasser gebeutelten tschechischen Organisatoren errichtet haben. Abgesehen von Olympischen Spielen hat es etwas Derartiges bei Kanu-Slalom-Veranstaltungen noch nicht gegeben. Schon bei den einstündigen Trainingsdurchgängen der Nationen pro Tag waren zahlreiche Zaungäste im Prager Stadtteil Troja zugegen.

Einig in ihren Erwartungen sind sich Trainer und Aktive auch darüber, dass es in Prag auf relativ leichtem Wildwasser eng zugehen wird um die Plätze in den Halbfinal- und Finalläufen, erst recht im Kampf um die Medaillen. „Wir sind darum schon sehr gespannt auf das Kursdesign für Qualifikation und Finalläufe, ob wir da große Überraschungen erleben, auf die wir uns einstellen müssen“, sagt DKV-Cheftrainer Michael Trummer und fügt an: „Wir freuen uns jetzt schon sehr über ein reges Medieninteresse an unserem WM-Auftritt, das unser Team natürlich mit guten Leistungen am Wochenende rechtfertigen möchte. Wir wollen an unsere Erfolge bei den Olympischen Spielen anknüpfen und unsere Position unter den vier Top-Nationen unter Beweis stellen.“

Nach ihrem Dreifachtriumph im Gesamtweltcup haben vor allem die deutschen Kajak-Herren mit Sebastian Schubert (Hamm), Hannes Aigner und Fabian Dörfler (beide Augsburg) auch bei der WM große Ambitionen, in der größten Favoritenrolle sieht Kajak-Bundestrainer Thomas Apel seine Jungs jedoch nicht: „Ich erwarte einen Kampf auf Messers Schneide. Den schwersten Favoritenrucksack tragen wohl die Tschechen mit dem Olympia-Zweiten Vavrinec Hradilek und Europameister Jiri Prskavec, hinzu kommen die üblichen Verdächtigen wie Olympiasieger Daniele Molmenti und Weltmeister Peter Kauzer, mit den Fahrern aus Polen und Frankreich wird auch zu rechnen sein. Bei dieser Aufzählung wird deutlich, wie eng es im Rennen um die zehn Finalplätze, das wichtigste Etappenziel auf dem Weg zu den Medaillen, zugehen wird. Ich bin mit dem Stand der Vorbereitung aber sehr zufrieden, die Jungs sind hoch motiviert und möchten natürlich die im Saisonverlauf gezeigten Ergebnisse hier beim Jahreshöhepunkt bestätigen.“

Das bekräftigt auch der Weltcup-Gesamtsieger 2013 und EM-Dritte Sebastian Schubert: „Die Freude auf das Rennen ist groß, die Organisatoren geben sich große Mühe, um ideale Bedingungen für uns Sportler zu schaffen. Die Spannung steigt langsam. Mein Ziel ist es, mit guten Läufen durch die Quali und das Halbfinale ins Finale zu kommen, um dann um die Medaillen zu fahren. Wenn ich mein Optimum raushole, kann es klappen.“

Damit liebäugelt auch der zweite Weltcup-Gesamtsieger dieser Saison, der Olympia-Silbermedaillengewinner im Canadier-Einer der Herren, Sideris Tasiadis (Augsburg): „Ich glaube, dass das hier ein richtig cooles Event wird – die Zuschauer werden was zu sehen bekommen. Es wird sicherlich richtige Fights in den Finalläufen geben. Meine Erwartung ist, dass ich erst einmal ins Finale fahre, danach kann dann noch alles kommen. Mein Ziel ist natürlich eine Medaille.“

Die Rennen beginnen am Donnerstag mit den Qualifikationsläufen der Herren im Kajak-Einer sowie der Damen und Herren im Canadier-Einer. Nach der Qualifikation für die Kajak-Damen und die Canadier-Zweier stehen für die Herren im Kajak- und Canadier-Einer am Freitag bereits die Halbfinals auf dem Programm. Die ersten WM-Medaillen werden am Samstag vergeben.

Weitere Stimmen aus dem Kanu-Slalom Team Deutschland

Hannes Aigner (Augsburg), Kajak-Einer:„Hier in Prag war bei hochkarätigen Wettkämpfen bisher immer eine super Stimmung, deswegen wird es sicherlich eine besondere Weltmeisterschaft mit toller Atmosphäre. Die Tribüne ist – abgesehen von Olympia – die größte, die ich bisher bei einer WM gesehen habe. Ich freue mich schon darauf, endlich wieder vor einem größeren Publikum zu fahren! Nachdem ich beim Gesamtweltcup schon gezeigt habe, dass ich auch diese Saison wieder ganz vorne mitmischen kann, ist das Ziel natürlich eine Medaille.“

Jan Benzien (Leipzig), Canadier-Einer, Canadier-Zweier:„Ich habe mir zwei Finalteilnahmen in den Einzelrennen vorgenommen, was für meine persönliche Bilanz bei Wettkämpfen hier in Prag sehr gut wäre! Insgesamt ist das Ziel mindestens eine von vier möglichen Medaillen.“

Frank Henze (Leipzig), Canadier-Zweier:„Die riesige Tribüne an der Strecke ist echt beeindruckend, man kann die Stimmung zu den Wettkampftagen schon regelrecht fühlen, wenn man weiß, wie toll hier die Sprecher vor Ihrem Publikum abgehen. Ansonsten laufen unsere Vorbereitungen besser, als man es noch vor fünf Monaten hätte erwarten können: Die Schulter spielt aktuell sehr gut mit. Ein wenig Angst ist noch im Hinterkopf, aber die werden mir sicher unsere Fans schon aus dem Kopf brüllen. WM in Prag ist einfach nur Klasse, wenn man bedenkt, dass es vor vielen Jahren mal fast unsere Heimstrecke war, als es den Kanupark Markkleeberg noch nicht gab.“

Mira Louen (Hilden), Canadier-Einer:„Durch die super Rahmenbedingungen, die die Tschechen jetzt schon wieder geschaffen haben, erwarte ich eine super Stimmung am Wettkampfwochenende und freue mich drauf, vor dieser hoffentlich starken Kulisse paddeln zu dürfen. Mein Ziel ist ganz klar: die Finalteilnahme.“

Das DKV-Team bei der WM in Prag
Herren, Kajak-Einer: Fabian Dörfler (KS Augsburg), Hannes Aigner (Augsburger KV), Sebastian Schubert (KR Hamm).
Canadier-Einer: Sideris Tasiadis (KS Augsburg), Jan Benzien (Leipziger KC), Franz Anton (Leipziger KC).
Canadier-Zweier: Franz Anton/Jan Benzien (Leipziger KC), Kai Müller/Kevin Müller (BSV Halle/S.), David Schröder/Frank Henze (Leipziger KC).
Damen, Kajak-Einer: Claudia Bär (KS Augsburg), Cindy Pöschel (Leipziger KC), Jasmin Schornberg (KR Hamm).
Canadier-Einer: Mira Louen (KC Hilden), Lena Stöcklin (Leipziger KC), Karolin Wagner (Leipziger KC).

Der WM-Zeitplan
Mittwoch, 11. September

20:00 – 22:00 Eröffnungsfeier (Palast u Hybernu, Námesti Republiky 4, Praha 1)

Donnerstag, 12. September
09:00 – 10:46 Qualifikation Herren Kajak-Einer, 1. Lauf (107 Boote)
10:49 – 12:35 Qualifikation Herren Kajak-Einer, 2. Lauf
14:00 – 15:17 Qualifikation Herren Canadier-Einer, 1. Lauf (78 Boote)
15:20 – 16:20 Qualifikation Damen Canadier-Einer, 1. Lauf (41 Boote)
16:23 – 17:40 Qualifikation Herren Canadier-Einer, 2. Lauf
17:43 – 18:43 Qualifikation Damen Canadier-Einer, 2. Lauf

Freitag, 13. September
09:00 – 09:59 Qualifikation Damen Kajak-Einer, 1. Lauf (60 Boote)
10:02 – 10:39 Qualifikation Herren Canadier-Zweier, 1. Lauf (38 Boote)
10:45 – 11:44 Qualifikation Damen Kajak-Einer, 2. Lauf
11:47 – 12:24 Qualifikation Herren Canadier-Zweier, 2. Lauf

15:30 – 16:28 Halbfinale Herren Canadier-Einer (30 Boote)
16:34 – 17:52 Halbfinale Herren Kajak-Einer (40 Boote)

Samstag, 14. September
10:00 – 10:48 Halbfinale Damen Canadier-Einer (20 Boote)

12:30 – 12:54 Finale Damen Canadier-Einer (10 Boote)
12:57 – 13:20 Finale Herren Canadier-Einer (10 Boote)
13:25 – 13:47 Finale Herren Kajak-Einer (10 Boote)
14:10 Siegerehrungen

15:30 – 15:44 Finale Teamwettbewerb Damen Canadier-Einer (8 Mannschaften)
15:48 – 16:24 Finale Teamwettbewerb Herren Canadier-Einer (19 Mannschaften)
16:28 – 17:16 Finale Teamwettbewerb Herren Kajak-Einer (25 Mannschaften)
17:40 Siegerehrungen

Sonntag, 15. September
09:30 – 10:28 Halbfinale Damen Kajak-Einer (30 Boote)
10:34 – 11:13 Halbfinale Herren Canadier-Zweier (20 Boote)

12:05 – 12:28 Finale Damen Kajak-Einer (10 Boote)
12:34 – 12:57 Finale Herren Canadier-Zweier (10 Boote)
13:15 Siegerehrungen

14:30 – 14:58 Finale Teamwettbewerb Damen Kajak-Einer (15 Mannschaften)
15:02 – 15:16 Finale Teamwettbewerb Herren Canadier-Zweier (10 Mannschaften)
15:45 Siegerehrungen
16:00 Abschlussfeier

Website
 www.slalomtroja.cz

Text und Foto: Jochen A. Meyer

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