Auf der Olympiastrecke im Lee Valley White Water Centre paddelten zunächst die Leipziger Franz Anton und Jan Benzien zum Titel im Canadier-Zweier, der ersten Goldmedaille für das DKV-Team seit dem Erfolg von Jasmin Schornberg in La Seu d'Urgell 2009. „Wir hatten einen guten Lauf, der lief von oben bis unten“, freute sich Franz Anton, dass auch die eine Berührung am Ende nicht schmerzte. „Man kann es noch gar nicht so richtig glauben“, gestand sein Zweierpartner. „Wir wollten einfach ein schönes Rennen runterfahren, der Platz war erstmal egal. Jetzt sind wir natürlich glücklich, ich denke aber auch schon an unsere Olympiaquali nächstes Jahr, für die wir jetzt schon zwei Punkte Vorsprung haben. Das muss man alles erst einmal verarbeiten“, meinte Jan Benzien, der im Einer schon zwei WM-Medaillen gewinnen konnte und in insgesamt acht WM-Finals noch nie ganz oben stand, über das erreichte große Ziel.
Mit den Europameistern Robert Behling/Thomas Becker (Schkopau) stand ein weiteres deutsches Boot im Finale. Beide riskierten ebenfalls viel, kassierten im Mittelteil der Strecke 50 Strafsekunden und wurden Zehnte: „Im Finale muss man ganz einfach Kampflinie fahren, schade, dass es nicht geklappt hat. Aber Glückwunsch an Jan und Franz, das haben die Beiden super gemacht“, fand Thomas Becker trotz seiner Enttäuschung anerkennende Worte. Kai und Kevin Müller (Halle/S.) hatten am Vormittag als Elfte im Halbfinale den Finaleinzug um die Winzigkeit von 0,01 Sekunden verpasst.
Gleich nach den Zweiern hatte das DKV-Team erneut Grund zum Jubel und das gleich doppelt. Hinter der neuen Weltmeisterin Katerina Kudejova aus der Tschechischen Republik paddelten Ricarda Funk (Bad Kreuznach) und Melanie Pfeifer (Augsburg) zu Silber und Bronze. „Voll geil“, fand Ricarda Funk, „Vizeweltmeisterin! Das war kein perfekter Lauf, in der Mitte hatte ich ein paar Schwierigkeiten. Danach war klar: Volles Risiko, sonst wird’s nix mehr. Dass es dann noch geklappt hat, konnte ich im Ziel noch nicht glauben.“ Auch Melanie Pfeifer strahlte: „Ich hatte nach dem Semifinale viel zu verbessern und das hat auch ganz gut geklappt. Ich bin zufrieden mit dem Lauf und dass das am Ende noch so ausgeht, ist natürlich sehr schön!“
In den abschließenden Team-Events kam noch eine weitere Silbermedaille hinzu: Die Canadier-Zweier-Mannschaft in der Besetzung Franz Anton/Jan Benzien, Robert Behling/Thomas Becker sowie Kai und Kevin Müller paddelte hinter den Franzosen und vor dem Team der Gastgeber auf den zweiten Platz. Kevin Müller lag das so knapp verpasste Einzelfinale noch immer im Magen: „Man freut sich natürlich mega über einen Vizeweltmeistertitel in der Mannschaft, aber 0,01 Sekunden hinter einem Finalplatz ist echt bitter, aber ja, eine kleine Entschädigung ist das schon.“ Die Kajak-Damen konnten dann zum Schluss das Medaillenkonto nicht weiter erhöhen. Sie leisteten sich in ihrem Mannschaftslauf zu viele Fehler und wurden 14., die Medaillen gingen an die Tschechische Republik, Großbritannien und Frankreich.
Im Medaillenjubel fast untergegangen: Das deutsche Team fuhr mit dem Abschneiden in den beiden Einzelwettbewerben selbstverständlich auch die beiden Quotenplätze für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro ein. Morgen gehen die Weltmeisterschaften in London mit den Einzel- und Teamentscheidungen im Canadier-Einer bei Damen und Herren sowie dem Kajak-Einer der Herren zu Ende.
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Ergebnisse, Weltmeisterschaften in London, Tag 4, Finale
Herren, Canadier-Zweier: 1. Franz Anton/Jan
Benzien (GER/Leipzig) 101,17 (2), 2. Pierre Picco/Hugo Biso
(FRA) 102,25 (0), 3. Gauthier Klauss/Mathieu Peche (FRA) 103,34
(0), 4. Luka Bozic/Saso Taljat (SLO) 103,46 (2), 5. David
Florence/Richard Hounslow (GBR) 104,68 (4), 6. Mark
Proctor/Etienne Stott (GBR) 105,88 (0), … 10. Robert
Behling/Thomas Becker (GER/Schkopau) 154,79 (52), im Halbfinale
ausgeschieden: 11. Kai Müller/Kevin Müller (BSV Halle/S.)
108,52 (0). Team-Wettbewerb: 1. Frankreich
(Picco/Biso, Klauss/Peche, Prigent/Kervella) 115,78 (2), 2.
Deutschland (Anton/Benzien, Behling/Becker, Müller/Müller)
122,34 (2), 3. Großbritannien (Florence/Hounslow,
Proctor/Stott, Burgess/Pitt) 123,59 (2).
Damen, Kajak-Einer: 1. Katerina Kudejova
(CZE) 103,62 (0), 2. Ricarda Funk (GER/Bad Kreuznach) 105,91
(0), 3. Melanie Pfeifer (GER/Augsburg) 106,33 (2), in der
Qualifikation ausgeschieden: 60. Lisa Fritsche (GER/Halle/S.).
Team-Wettbewerb: 1. Tschechische Republik
(Kudejova, Vojtova, Hilgertova) 127,33 (2), 2. Großbritannien
(Pennie, Woods, Neave) 128,06 (6), 3. Frankreich (Bouzidi,
Lafont, Fer) 129,02 (6), … 14. Deutschland (Pfeifer, Funk,
Fritsche) 187,64 (62).
Der weitere WM-Zeitplan
Sonntag, 20. September 2015
09:00 – 12:30 Halbfinale Herren Canadier-Einer, Damen
Canadier-Einer, Herren Kajak-Einer
13:30 – 15:30 Finale Herren Canadier-Einer, Damen
Canadier-Einer, Herren Kajak-Einer
16:00 – 18:45 Finale Teams Herren Canadier-Einer, Damen
Canadier-Einer, Herren Kajak-Einer
