Kurios: Pfeifer hatte zuvor im Halbfinale 50 Strafsekunden für ein fehlerhaft befahrenes Tor kassiert, sich aber als 10. trotzdem für den Finaldurchgang qualifiziert. „Da kann man nur den Kopf schütteln, ich glaub's nicht“, kommentierte die 24-Jährige ihren Erfolg. „Es ging alles sehr schnell, ich hab' im Finale einfach den Kopf ausgeschaltet und bin einfach nach Gefühl gepaddelt. Ich bin total kaputt, es war sehr anstrengend“, sagte sie nach dem sechsten Wettkampflauf innerhalb von drei Tagen.
Mit Jasmin Schornberg auf Rang neun war eine zweite Starterin des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) im Finale vertreten. „Ich bin eigentlich eine Fahrerin, die meistens sauber fährt“, war sie vor allem ob ihrer zwei Torstabberührungen enttäuscht, „vielleicht war die Belastung in letzter Zeit für mich einfach zu hoch – aber daran wird gearbeitet.“
Auch in der letzten Entscheidung des Tages standen zwei DKV-Athleten auf dem Podium. Die Hallenser Ex-Weltmeister Marcus Becker und Stefan Henze gewannen Bronze und machten damit den Medaillensatz für das Team Deutschland perfekt. Gold und Silber gingen durch Pavol und Peter Hochschorner sowie Ladislav und Peter Skantar in die Slowakei. „Dafür dass wir den Weltcup in Markkleeberg auslassen mussten und Marcus zwei Wochen wegen Rückenproblemen nicht trainieren konnte, war das schon sehr gut, auch wenn man natürlich sagen muss, dass die Hochschorners noch in einer anderen Welt paddeln. Aber wir haben es hier geschafft, sechs recht gute Läufe runterzubekommen“, war Stefan Henze zufrieden.
Am Vormittag hatte bereits der Leipziger Jan Benzien die Silbermedaille gewonnen. Der 29-jährige Canadier-Einer-Spezialist musste sich nach einem fehlerfreien Finallauf lediglich Doppelolympiasieger Michal Martikan aus der Slowakei geschlagen geben. Dritter wurde der Franzose Denis Gargaud Chanut. Der Augsburger Sideris Tasiadis verpasste den Finaleinzug knapp und wurde Neunter. „Ich hab mich hier von Lauf zu Lauf steigern können, damit bin ich sehr zufrieden. Im Finale habe ich es dann geschafft, 100 Prozent zu geben und trotzdem das Risiko unter Kontrolle zu halten. Trotzdem fehlen mir noch ungefähr zwei Sekunden, um dort zu sein, wo ich hin will“, analysierte Jan Benzien direkt nach dem Rennen kritisch.
Im Kajak-Finale sorgten die deutschen Herren ebenfalls für zwei Top-Platzierungen, paddelten mit Hannes Aigner auf Rang vier und Alexander Grimm auf dem sechsten Rang nur knapp am Podium vorbei. Den Sieg holte auf dem Olympiakurs von 2012 der Tscheche Vavrinec Hradilek vor Peter Kauzer (Slowenien) und Fabien Lefevre (Frankreich). „Der Zweier nervt“, ärgerte sich Hannes Aigner über eine kleine Unachtsamkeit und die daraus resultierende Berührung an Tor 13, die dem Augsburger eine Medaille kostete. „Aber auf diesem Kurs hatten im Finale fast alle Probleme, sechs Paddler waren ja immerhin noch hinter mir und Platz vier an sich ist ja nicht schlecht“, so Aigner, der sich über die vier Runden der vorolympischen Tests wie auch Teamkollege Alexander Grimm durch große Konstanz auszeichnete. Grimm ärgerte sich nach dem Finallauf ebenso über seine zwei Torstabberührungen: „Die Zeit war erneut absolut konkurrenzfähig, umso ärgerlicher sind die vier Strafsekunden“, so der Olympiasieger von Peking.
„Das gesamte Team hat sich mit hervorragenden Leistungen hier in London präsentiert. Die Medaillen und guten Finalplatzierungen motivieren jetzt zusätzlich für die weitere WM-Vorbereitung. Schade, dass nicht heute schon Olympia war, mit einem solchen Ergebnis hätten wir unsere Ziele erfüllt“, sagte ein zufriedener DKV-Chefcoach Michael Trummer.
Kanu-Slalom, Vorolympische Testwettbewerbe in Broxbourne, Finalergebnisse vom Sonntag
Herren, Kajak-Einer:1. Vavrinec Hradilek (CZE) 94,53 (2), 2. Peter Kauzer (SLO) 95,50 (0), 3. Fabien Lefevre (FRA) 97,51 (0), 4. Hannes Aigner (GER/Augsburg) 98,35 (2), 5. Richard Hounslow (GBR) 98,54 (2), 6. Alexander Grimm (GER/Augsburg) 99,84 (4).
Canadier-Einer:1. Michal Martikan (SVK) 99,84 (0), 2. Jan Benzien (GER/Leipzig) 100,30 (0), 3. Denis Gargaud Chanut (FRA) 100,49 (2), 4. Stanislav Jezek (CZE) 101,72 (2), 5. Matej Benus (SVK) 101,80 (4), 6. David Florence (GBR) 103,18 (2), … im Halbfinale ausgeschieden: 9. Sideris Tasiadis (GER/Augsburg) 104,65 (2).
Canadier-Zweier:1. Peter Hochschorner/Pavol Hochschorner (SVK) 103,86 (0), 2. Peter Skantar/Ladislav Skantar (SVK) 106,97 (0), 3. Marcus Becker/Stefan Henze (GER/Halle/S.) 111,73 (0), 4. David Florence/Richard Hounslow (GBR) 112,99 (4), 5. Pierre Labarelle/Nicholas Peschier (FRA) 114,53 (6), 6. Jaroslav Volf/Ondrej Stepanek (CZE) 159,81 (52), … im Halbfinale ausgeschieden: 8. Kai Müller/Kevin Müller (GER/Magdeburg) 118,50 (2).
Damen, Kajak-Einer:1. Melanie Pfeifer (GER/Augsburg) 109,05 (0), 2. Katerina Kudejova (CZE) 111,42 (2), 3. Ursa Kragelj (SLO) 112,69 (2), 4. Elizabeth Neave (GBR) 112,90 (4), 5. Maialen Chorraut (ESP) 112,95 (2), 6. Elena Kaliska (SVK) 112,96 (2), … 9. Jasmin Schornberg (GER/Hamm) 116,60 (4).
Mehr Infos und Fotos auf der Website der Slalom-Nationalteams unter teamkanuslalom.de sowie auf der Facebookseite des Team Deutschland.
