Auf dem äußerst
anspruchsvollen Kurs im französischen Slalom-Mekka am Fuße
der Pyrenäen gelang Fabian Dörfler (Augsburg) aus deutscher
Sicht mit Rang vier im K1-Finale der Herren das beste
Ergebnis. Den Sieg holte sich Frankreichs Olympiateilnehmer
Etienne Daille vor dem Tschechen Jan Vondra und Lucien
Delfour aus Australien. Nach dem
hochklassig besetzten Rennen, in dem keiner der Kajak-Herren
ohne Fahrfehler ins Ziel kam, zeigte sich Fabian Dörfler
überrascht von seinem Ergebnis: „Hier war deutlich mehr drin
am heutigen Tag. Mit dem eher schlechten Lauf im Finale und
einer unnötigen Berührung am Tor 21 noch auf Platz vier, dass
hätte ich nicht gedacht.“ Dagegen musste der Bronzemedaillengewinner
von Cardiff Paul Böckelmann (Leipzig) mit Platz 48 bereits in
der Qualifikation die Segel streichen, Cardiff-Sieger
Sebastian
Schubert (Hamm) und Olympia-Starter Hannes Aigner (Augsburg)
schieden auf dem schweren Kurs, der – wie Sebastian Schubert
feststellte, „alles abverlangte und keine Fahrfehler verzieh“
– im Semifinale aus.
Im C1 der
Herren hatte sich Jan Benzien (Leipzig) als einziger
DKV-Starter für das Finale qualifiziert und dort Platz sechs
belegt. Zu seinem
Finale sagte der Routinier: „Bis zur Mitte des Rennens war
ich gut dabei. In der Kombination 19/20 habe ich das erste
Mal etwas Zeit verloren. Als ich mich dann im Kehrwasser bei
Tor 21 festgefahren habe, konnte ich die verlorenen Sekunden
schon selbst mitzählen. Damit kannst du nicht in die
Medaillenränge fahren.“ Die anderen DKV-Starter hatten sich
zuvor im Halbfinale verabschiedet, Nico Bettge (Magdeburg)
kam auf Rang 18 und Franz Anton (Leipzig) belegte Platz 22.
Olympiateilnehmer Sideris Tasiadis (Augsburg) hatte auf einen
Start in Pau verzichtet. Der Sieg im C1
der Herren ging an Lokalmatador Tony Estanguet, er
deklassierte auf seiner Heimstrecke mit einem fehlerfreien
Lauf die Konkurrenz und verwies dabei mit einem Vorsprung von
über sieben Sekunden Grzegorz Kiljanek aus Polen auf Rang
zwei und den Slowaken Alexander Slafkovsky auf Rang
drei.
Im K1 der Damen
ruhten die deutschen Hoffnungen im Finale auf Melanie Pfeifer
(Augsburg) und Cindy Pöschel (Leipzig). Die Augsburgerin
paddelte auf einen guten sechsten Platz und meinte
dazu: „Mit meiner
Platzierung bin ich zufrieden. Wenn ich noch ein bisschen
besser mit dem Wasser gefahren wäre, hätte ich noch Zeit
gewinnen können. Jetzt fahre ich mit einem guten Gefühl zum
dritten Weltcup in Seu de Urgell und bin auch für den
Gesamtweltcup sehr optimistisch.“ Die
Bronzemedaillen- gewinnerin von Cardiff Cindy Pöschel
(Leipzig) konnte in Pau allerdings nicht an diesen Erfolg
anknüpfen. Sie lag im Finale zwar
eine Zeit lang erneut wieder auf Platz drei, befuhr dann
aber Tor 23 so knapp, dass die Jury ihr nach Auswertung der Fernsehbilder
50 Strafsekunden aufbrummte, was am Ende Platz zehn
bedeutete. Da nützten auch alle Proteste
des deutschen Teams nichts. Mit etwas Abstand zur Situation
fand sich die 22-Jährige dann doch damit ab und bewertete ihr
Abschneiden am Ende dennoch zufrieden: „Ich stand das zweite
Mal im Finale des Weltcups und habe vielleicht ein bisschen
zu viel riskiert. Aber – wer nicht wagt, der nicht gewinnt“,
sagte sie lächelnd und versprach, beim nächsten Weltcup
wieder anzugreifen. Noch ärger hatte es zuvor
Olympiateilnehmerin Jasmin Schornberg (Hamm) erwischt, sie
musste sich nach Platz 41 in der Qualifikation diesmal mit
der Rolle als Zuschauerin begnügen. Das Finale im
K1 der Damen gewann wie schon in Cardiff die Spanierin
Maialen Chourraut, auf Platz zwei kam Europameisterin Carole
Bouzidi (FRA) vor Elizabeth Neave (GBR).
Im C2 der Herren gewann das französische
Duo Pierre Labarelle/Nicolas Peschier vor Ladislav und Peter
Skantar (Slowakei) und den Chinesen Minghai Hu/Junrong Shu.
Als einziges deutsches Team sicherten sich die Leipziger
Franz Anton und Jan Benzien wie schon vor einer Woche in
Cardiff einen Platz im Finale und kamen dort auf einen
respektablen siebenten Rang.
Beide absolvieren erst seit diesem Jahr den Doppelstart im
Canadier-Einer und Canadier-Zweier und kämpfen dabei durchaus
erfolgreich gegen die Spezialisten. So fiel ihr Fazit
entsprechend zufrieden aus: „Wir sind erfreut bei unserem
zweiten World Cup wieder ins Finale gekommen zu sein. Leider
ist uns noch kein fehlerfreier Lauf im Finale geglückt. Daran
wollen wir nun arbeiten. Insgesamt lernen wir von Lauf zu
Lauf dazu, das macht Spaß!”
Die anderen deutschen Semifinalteilnehmer Kai Müller/Kevin
Müller (Magdeburg) und Robert Behling/Thomas Becker
(Schkopau) schieden als 11. und 13. des Semifinals aus. Das
Olympiaboot mit David Schröder und Frank Henze(Leipzig) kam
mit Rang 22 nicht über die Qualifikation
hinaus.
Im
Canadier-Einer der Frauen waren wie schon in Cardiff keine
deutschen Teilnehmerinnen am Start. Auch in dieser Disziplin
gab es durch Caroline Loir einen französischen Sieg. Die
Plätze zwei und drei belegten Katerina Hoskova (Tschechien)
und Claire Jacquet
(Frankreich).
Chefbundestrainer Michael Trummer zeigte sich auch nach
dem Abschneiden in Pau vor allem mit
Blick auf Olympia keineswegs beunruhigt: „Bei der ersten
Wettkampfphase in diesem Jahr im Mai mit den nationalen
Qualifikationen und der EM in Augsburg waren unsere
Nationalmannschaftsboote in absoluter Topform. Die Ergebnisse
und Zeiten haben dies bestätigt. Dass man diese Form nicht
bis Olympia halten kann ist logisch. Unser zweiter
Trainingsaufbau ist auf Spitzen- leistungen bei Olympia
ausgelegt. Dementsprechend sind wir die ersten Weltcups aus
dem vollen Training und ohne spezielle Vorbereitung gefahren.
Mit nur einer Trainingseinheit hier vor dem Weltcup wussten
wir, dass es schwer werden wird, auf der Heimstrecke der
starken Franzosen zu punkten“, unterstrich der Chefcoach und
bewertete daher die Ergebnisse von Pau als zweitrangig. „Es
ging hier darum Wettkampffeeling und Erfahrungen zu sammeln.
Wir werden unsere Olympiavorbereitung weiter planmäßig
fortsetzen und uns nicht nervös machen lassen. Alle Boote
sind im Plan.
Das Streckenprofil von Pau war zudem ein
völlig anderes als das der Olympiastrecke in London.“
Ergebnisse:
K1
Damen
1. Maialen
Chourraut (ESP) 108.34 (0), 2. Carole Bouzidi
(FRA) 110.20 (0), 3. Elizabeth Neave (GBR) 112,58 (0), ...,
6. Melanie Pfeifer
(GER, Augsburg) 114.51 (2), ..., 10. Cindy Pöschel (GER, Leipzig) 112.25
(50)
C2
Herren
1.
Labarelle/Peschier (FRA) 109.38 (0), 2. Skantar/Skantar (SVK)
111.75 (2), 3. Hu/Shu (CHN) 112.02 (0), ..., 7. Franz
Anton/Jan Benzien (GER, Leipzig) 119.60
(4),
C1
Herren
1.Tony
Estanguet (FRA) 100.79 (0), 2. Grzegorz Kiljanek (POL) 108.61
(2), 3. Alexander Slafkovsky (SVK) 108.570 (2), ..., 6. Jan Benzien
(GER, Leipzig) 110.22
(0),
K1
Herren
1. Etienne
Daille (FRA) 100.17 (2), 2. Jan Vondra (CZE) 101.46 (0), 3.
Lucien Delfour (AUS) 105.40 (2), 4. Fabian Dörfler (GER)
106.17
(2),
C1 Damen (keine
deutschen
Starterinnen)
1. Caroline
Loir (FRA) 140.79 (4), 2. Katerina Hoskova (CZE) 142,91 (2),
3. Claire Jacquet (FRA) 146.83 (2)
Ergebnisse und
Videos unter: www.123result.com
Text: H.-P.
Wagner
