18.06.2012 | Kanu-Slalom

Weltcup Pau: Trotz guter Leistungen auf schwerem Kurs medaillenlos, aber Richtung Olympia im Plan

Nach Gold- und zweimal Bronze zum Weltcupauftakt am Wochenende zuvor in Cardiff blieben die Slalom-Asse des DKV eine Woche später beim 2. Weltcup in Pau/Frankreich diesmal ohne Medaillenrang. Insgesamt erreichten fünf deutsche Boote die Finals, in denen die französischen Gastgeber in vier von fünf Disziplinen ihren Heimvorteil souverän ausspielten.
Finalist sowohl im C1 als auch im C2: Jan Benzien
Auf dem äußerst anspruchsvollen Kurs im französischen Slalom-Mekka am Fuße der Pyrenäen gelang Fabian Dörfler (Augsburg) aus deutscher Sicht mit Rang vier im K1-Finale der Herren das beste Ergebnis. Den Sieg holte sich Frankreichs Olympiateilnehmer Etienne Daille vor dem Tschechen Jan Vondra und Lucien Delfour aus Australien. Nach dem hochklassig besetzten Rennen, in dem keiner der Kajak-Herren ohne Fahrfehler ins Ziel kam, zeigte sich Fabian Dörfler überrascht von seinem Ergebnis: „Hier war deutlich mehr drin am heutigen Tag. Mit dem eher schlechten Lauf im Finale und einer unnötigen Berührung am Tor 21 noch auf Platz vier, dass hätte ich nicht gedacht.“  Dagegen musste der Bronzemedaillengewinner von Cardiff Paul Böckelmann (Leipzig) mit Platz 48 bereits in der Qualifikation die Segel streichen, Cardiff-Sieger Sebastian Schubert (Hamm) und Olympia-Starter Hannes Aigner (Augsburg) schieden auf dem schweren Kurs, der – wie Sebastian Schubert feststellte, „alles abverlangte und keine Fahrfehler verzieh“ – im Semifinale aus. 
 
Im C1 der Herren hatte sich Jan Benzien (Leipzig) als einziger DKV-Starter für das Finale qualifiziert und dort Platz sechs belegt. Zu seinem Finale sagte der Routinier: „Bis zur Mitte des Rennens war ich gut dabei. In der Kombination 19/20 habe ich das erste Mal etwas Zeit verloren. Als ich mich dann im Kehrwasser bei Tor 21 festgefahren habe, konnte ich die verlorenen Sekunden schon selbst mitzählen. Damit kannst du nicht in die Medaillenränge fahren.“ Die anderen DKV-Starter hatten sich zuvor im Halbfinale verabschiedet, Nico Bettge (Magdeburg) kam auf Rang 18 und Franz Anton (Leipzig) belegte Platz 22. Olympiateilnehmer Sideris Tasiadis (Augsburg) hatte auf einen Start in Pau verzichtet. Der Sieg im C1 der Herren ging an Lokalmatador Tony Estanguet, er deklassierte auf seiner Heimstrecke mit einem fehlerfreien Lauf die Konkurrenz und verwies dabei mit einem Vorsprung von über sieben Sekunden Grzegorz Kiljanek aus Polen auf Rang zwei und den Slowaken Alexander Slafkovsky auf Rang drei.
 
Im K1 der Damen ruhten die deutschen Hoffnungen im Finale auf Melanie Pfeifer (Augsburg) und Cindy Pöschel (Leipzig). Die Augsburgerin paddelte auf einen guten sechsten Platz und meinte dazu: „Mit meiner Platzierung bin ich zufrieden. Wenn ich noch ein bisschen besser mit dem Wasser gefahren wäre, hätte ich noch Zeit gewinnen können. Jetzt fahre ich mit einem guten Gefühl zum dritten Weltcup in Seu de Urgell und bin auch für den Gesamtweltcup sehr optimistisch.“ Die Bronzemedaillen- gewinnerin von Cardiff Cindy Pöschel (Leipzig) konnte in Pau allerdings nicht an diesen Erfolg anknüpfen. Sie lag im Finale zwar eine Zeit lang erneut wieder auf Platz drei, befuhr dann aber Tor 23 so knapp, dass die Jury  ihr nach Auswertung der Fernsehbilder 50 Strafsekunden aufbrummte, was am Ende Platz zehn bedeutete. Da nützten auch alle Proteste des deutschen Teams nichts. Mit etwas Abstand zur Situation fand sich die 22-Jährige dann doch damit ab und bewertete ihr Abschneiden am Ende dennoch zufrieden: „Ich stand das zweite Mal im Finale des Weltcups und habe vielleicht ein bisschen zu viel riskiert. Aber – wer nicht wagt, der nicht gewinnt“, sagte sie lächelnd und versprach, beim nächsten Weltcup wieder anzugreifen. Noch ärger hatte es zuvor Olympiateilnehmerin Jasmin Schornberg (Hamm) erwischt, sie musste sich nach Platz 41 in der Qualifikation diesmal mit der Rolle als Zuschauerin begnügen. Das Finale im K1 der Damen gewann wie schon in Cardiff die Spanierin Maialen Chourraut, auf Platz zwei kam Europameisterin Carole Bouzidi (FRA) vor Elizabeth Neave  (GBR).
 
Im C2  der Herren gewann das französische Duo Pierre Labarelle/Nicolas Peschier vor Ladislav und Peter Skantar (Slowakei) und den Chinesen Minghai Hu/Junrong Shu. Als einziges deutsches Team sicherten sich die Leipziger Franz Anton und Jan Benzien wie schon vor einer Woche in Cardiff einen Platz im Finale und kamen dort auf einen respektablen siebenten Rang. Beide absolvieren erst seit diesem Jahr den Doppelstart im Canadier-Einer und Canadier-Zweier und kämpfen dabei durchaus erfolgreich gegen die Spezialisten. So fiel ihr Fazit entsprechend zufrieden aus: „Wir sind erfreut bei unserem zweiten World Cup wieder ins Finale gekommen zu sein. Leider ist uns noch kein fehlerfreier Lauf im Finale geglückt. Daran wollen wir nun arbeiten. Insgesamt lernen wir von Lauf zu Lauf dazu, das macht Spaß!” Die anderen deutschen Semifinalteilnehmer Kai Müller/Kevin Müller (Magdeburg) und Robert Behling/Thomas Becker (Schkopau) schieden als 11. und 13. des Semifinals aus. Das Olympiaboot mit David Schröder und Frank Henze(Leipzig) kam mit Rang 22 nicht über die Qualifikation hinaus.
 
Im Canadier-Einer der Frauen waren wie schon in Cardiff keine deutschen Teilnehmerinnen am Start. Auch in dieser Disziplin gab es durch Caroline Loir einen französischen Sieg. Die Plätze zwei und drei belegten Katerina Hoskova (Tschechien) und Claire Jacquet (Frankreich). 
 
Chefbundestrainer Michael Trummer zeigte sich auch nach dem  Abschneiden in Pau vor allem mit Blick auf Olympia keineswegs beunruhigt: „Bei der ersten Wettkampfphase in diesem Jahr im Mai mit den nationalen Qualifikationen und der EM in Augsburg waren unsere Nationalmannschaftsboote in absoluter Topform. Die Ergebnisse und Zeiten haben dies bestätigt. Dass man diese Form nicht bis Olympia halten kann ist logisch. Unser zweiter Trainingsaufbau ist auf Spitzen- leistungen bei Olympia ausgelegt. Dementsprechend sind wir die ersten Weltcups aus dem vollen Training und ohne spezielle Vorbereitung gefahren. Mit nur einer Trainingseinheit hier vor dem Weltcup wussten wir, dass es schwer werden wird, auf der Heimstrecke der starken Franzosen zu punkten“, unterstrich der Chefcoach und bewertete daher die Ergebnisse von Pau als zweitrangig. „Es ging hier darum Wettkampffeeling und Erfahrungen zu sammeln. Wir werden unsere Olympiavorbereitung weiter planmäßig fortsetzen und uns nicht nervös machen lassen. Alle Boote sind im Plan. Das Streckenprofil von Pau war zudem ein völlig anderes als das der Olympiastrecke in London.“
 

   
Ergebnisse:
K1 Damen
1. Maialen Chourraut (ESP) 108.34 (0), 2. Carole Bouzidi (FRA) 110.20 (0), 3. Elizabeth Neave (GBR) 112,58 (0), ..., 6. Melanie Pfeifer (GER, Augsburg) 114.51 (2), ..., 10. Cindy Pöschel (GER, Leipzig) 112.25 (50)
C2 Herren
1. Labarelle/Peschier (FRA) 109.38 (0), 2. Skantar/Skantar (SVK) 111.75 (2), 3. Hu/Shu (CHN) 112.02 (0), ..., 7. Franz Anton/Jan Benzien (GER, Leipzig) 119.60 (4),
C1 Herren
1.Tony Estanguet (FRA) 100.79 (0), 2. Grzegorz Kiljanek (POL) 108.61 (2), 3. Alexander Slafkovsky (SVK) 108.570 (2), ..., 6. Jan Benzien (GER, Leipzig) 110.22 (0),
K1 Herren
1. Etienne Daille (FRA) 100.17 (2), 2. Jan Vondra (CZE) 101.46 (0), 3. Lucien Delfour (AUS) 105.40 (2), 4. Fabian Dörfler (GER) 106.17 (2),
C1 Damen (keine deutschen Starterinnen)
1. Caroline Loir (FRA) 140.79 (4), 2. Katerina Hoskova (CZE) 142,91 (2), 3. Claire Jacquet (FRA) 146.83 (2)

Ergebnisse und Videos unter: www.123result.com
 
Text: H.-P. Wagner
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