Benzien zeigte im Finaldurchgang, in den er als Zweiter des Halbfinales als vorletzter Starter gegangen war, einen beherzt offensiven und doch jederzeit kontrollierten Lauf. In 102,71 Sekunden markierte der EM-Dritte von Nottingham deutlich die Bestzeit vor Alexander Slafkovsky (Slowakei), dem er bei den Titelkämpfen vor vier Wochen noch den Vortritt lassen musste, und dem Olympiazweiten David Florence (Großbritannien). „Ich hab mich auf dieser schweren Strecke von Lauf zu Lauf steigern können, nachdem ich am Anfang eigentlich kein so besonders gutes Gefühl hatte. Der Finallauf war von oben bis unten konzentriert, das war gut und darüber bin ich glücklich“, freute sich Jan Benzien. Der Augsburger Sideris Tasiadis zog ebenfalls in das Finale der besten Zehn ein und wurde Siebter.
Den ersten Podestplatz für das DKV-Team hatte zuvor Melanie Pfeifer erobert. Die 22-jährige U23-Europameisterin des Vorjahres, die in diesem Jahr ihre erste Saison im deutschen A-Team paddelt, musste sich nur der Französin Mathilde Pichery geschlagen geben. „Ich war nach dem Halbfinale Vierte und habe den Finallauf einfach nur genossen, weil so viele Leute hier waren. Ich bin noch nie vor so vielen Menschen gepaddelt, ich glaube, das hat mich auch beflügelt“, strahlte die Augsburgerin, die leicht erkältet in den Abschlusstag gegangen war. „Aber jetzt geht’s mir wieder gut!“, war der Podestplatz für sie die beste Medizin. Mit Platz vier zufrieden war mit Jasmin Schornberg (Hamm) auch die zweite deutsche Finalistin in dieser Kategorie, Claudia Bär (Augsburg) wurde Zwölfte.
Der Slowene Peter Kauzer war der Schnellste im Rennen der Kajak-Herren. Er verwies die beiden Franzosen Boris Neveu und Fabien Lefevre sowie seinen Landsmann Dejan Kralj auf die Plätze. Sebastian Schubert (Hamm) belegte im Finale als bester Deutscher dieser Kategorie den achten Rang, Alexander Grimm (Augsburg) beendete den ersten Saisonweltcup auf Rang 18. „Durch einen größeren Fehler habe ich im Finale einige Zeit liegen gelassen, Platz drei wäre schon drin gewesen“, ärgerte sich Sebastian Schubert, „aber letztlich ist das jetzt mein bislang bestes internationales Einzel-Ergebnis, das ist schon OK.“
Im Rennen der Zweier-Canadier paddelten Marcus Becker/Stefan Henze (Halle/S.) als einziges deutsches Boot ins Finale und belegten den achten Platz. Sowohl für die Leipziger Besatzung David Schröder/Frank Henze, als auch die jungen Weltcup-Debütanten Robert Behling/Thomas Becker (Schkopau) war im Halbfinale Schluss. „Der Finallauf war nicht ganz rund, irgendwie haben wir überall ein bisschen Zeit liegen lassen, das hat sich dann summiert“, analysierte Marcus Becker, „damit kann man eigentlich nicht zufrieden sein." Die Kategorie gewannen Peter Skantar/Ladislav Skantar aus der Slowakei. Kurios: Auf den Plätzen zwei und drei landeten mit Fabien Lefevre/Denis Gargaud Chanut (Frankreich) sowie David Florence/Richard Hounslow aus Großbritannien jeweils zwei Kombinationen aus Weltklasse-Sportlern, die ursprünglich in den Einer-Wettbewerben in Kajak und Canadier an den Start gehen.
„Ich bin erst einmal sehr froh, dass sich die Hälfte unserer Sportler auf dieser schweren und technisch anspruchsvollen Strecke für die Finalläufe qualifiziert hat, bei der Leistungsdichte ist dies mittlerweile längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Ich denke, dass wir auf dem aufsteigenden Ast sind – die Ergebnisse bei den Damen und im Canadier-Einer ragen natürlich heraus“, konstatierte DKV-Kanu-Slalom-Cheftrainer Michael Trummer.
Kanu-Slalom, Weltcup in Pau-Pyrénées (FRA), erste von drei Stationen der Serie, Finalergebnisse
Herren, Kajak-Einer: 1. Peter Kauzer (SLO) 98,87 (2), 2. Boris Neveu (FRA) 101,48 (0), 3. Fabien Lefevre (FRA) 102,77 (2) und Dejan Kralj (SLO) 102,77 (2), 5. Carles Juanmarti Santiago (ESP) 104,45 (2), 6. Daniele Molmenti (ITA) 104,48 (2) und Campbell Walsh (GBR) 104,48 (0), 8. Sebastian Schubert (GER/Hamm) 109,54 (2), … im Halbfinale ausgeschieden: 18. Alexander Grimm (GER/Augsburg) 114,47 (2), in der Qualifikation ausgeschieden: 51. Tim Maxeiner (GER/Wiesbaden).
Canadier-Einer: 1. Jan Benzien (GER/Leipzig) 102,71 (0), 2. Alexander Slafkovsky (SVK) 104,54 (0), 3. David Florence (GBR) 104,90 (0), 4. Tony Estanguet (FRA) 105,19 (0), 5. Jordi Domenjo (ESP) 107,26 (2), 6. Matej Benus (SVK) 107,88 (2), 7. Sideris Tasiadis (GER/Augsburg) 104,93 (2), … in der Qualifikation ausgeschieden: 29. Martin Unger (GER/BSV Halle/S.).
Canadier-Zweier: 1. Ladislav Skantar/Peter Skantar (SVK) 106,86 (2), 2. Fabien Lefevre/Denis Gargaud Chanut (FRA) 107,86 (0), 3. David Florence/Richard Hounslow (GBR) 111,34 (0), 4. Damian Troquenet/Mathieu Voyemant (FRA) 112,22 (0), 5. Thomas Kucera/Jan Batik (SVK) 115,19 (2), 6. Christophe Luquet/Pierre Luquet (FRA), … 8. Marcus Becker/Stefan Henze (GER/Halle/S.) 122,72 (4), … im Halbfinale ausgeschieden: 14. Robert Behling/Thomas Becker (GER/Schkopau) 121,68 (2), 19. David Schröder/Frank Henze (GER/Leipzig) 131,90 (0).
Damen, Kajak-Einer: 1. Mathilde Pichery (FRA) 109,48 (2), 2. Melanie Pfeifer (GER/Augsburg) 110,41 (0), 3. Jana Dukatova (SVK) 113,37 (0), 4. Jasmin Schornberg (GER/Hamm) 116,65 (0), 5. Emilie Fér (FRA) 119,17 (6), 6. Alexandra Perova (RUS) 125,13 (4), … im Halbfinale ausgeschieden: 12. Claudia Bär (GER/Augsburg) 123,81 (0).
Text und Foto. Jochen A. Meyer
