Soeben wurden die rund 120 Teilnehmer in Gruppen eingeteilt.
Da es für mich seit fünf Jahren das erste Mal Wildwasserpaddeln
ist, hatte ich mich für die Kategorie Wildwasser 3 mit Lernziel
4 angemeldet. Die Gruppen sammeln sich zum Schutz vor den
erbsengroßen Regentropfen in den wenigen
Unterstellmöglichkeiten des Campingplatzes. Meine Gruppe trifft
sich unter dem Vordach des Waschhäuschens. Entspannt meint mein
Übungsleiter Stefan: "Wir fahren erstmal los und dann sehen wir
schon..." und er hat recht. Als wir an der Wildwasserstrecke
der Durance aus den Autos steigen ist das Gewitter
vorbei.
Nach dem Aufwärmen und dem Wurfsack werfen an Land auf ein
unbewegtes Ziel geht es auf den Bach. Zunächst sollen wir
unsere Fähigkeiten im Kehrwasserfahren, Traversieren und
Eskimotieren unter Beweis stellen, dann schreiten wir zu den
Sicherungstechniken. Freiwillige vor, heißt es als es darum
geht einen schwimmenden Kanuten zu simulieren. Das Wasser ist
kalt und die Freiwilligen sind rar, und aber unser Trainer
sieht zu, dass jeder mindestens einmal den Wurfsack geworfen
und gefangen hat. Als nächstes gilt es im Boot herren- und
damenlose Kajaks mit dem Cowtail einzufangen und in das nächste
Kehrwasser zu schleppen. Die letzte Sicherungsübung, die wir
trainieren ist die sogenannte Sprungsicherung. Ein Paddler, der
an einem Seil festgebundene ist, springt von einem exponierten
Felsen ins Wasser und zieht einen vorbeitreibenden Schwimmer
ins sichere Kehrwasser. Doch nicht nur in unserer Gruppe wird
Sicherheit großgeschrieben, zu unserer Genugtuung bleibt den
anderen Teilnehmern das eiskalte Bad ebenfalls nicht
erspart.

Montag, unser zweiter Tag, die Sonne scheint als hätte sie für
den verregneten Vortag gut zu machen. Im landschaftlich
reizvollen Durancetal gibt es Wildwasser für jeden Geschmack
und jede Leistungsstufe. Meine Gruppe fährt am zweiten Tag eine
Etappe auf der Ubaye, einem kleinen, verblockten, teilweise in
Schluchten verlaufenden Gebirgsbach, der schließlich in die
Durance mündet. Das Wetter hat sich mittlerweile gebessert und
es scheint, wie gewohnt um die diese Jahreszeit, die Sonne.
Neben unserer Gruppe sind noch zwei weitere Gruppen des BKV auf
dem Bach. Flotte Schwallstrecken wechseln sich ab, mit
steinigen Passagen und nicht allzu schwierigen Durchfahrten.
Die schöne Landschaft und das klare Wasser
vervollständigen das erstklassige Wildwassererlebnis. Es ist
eine Ehrensache dass die Gruppen sich an den Schlüsselstellen
gegenseitig unterstützen, indem sie einander sichern. Am Ende
der Etappe werden wir mit einer Passage durch eine steile, rund
5 Meter breite, einige hundert Meter lange Schlucht
belohnt.
Wer abends noch nicht genug gepaddelt hat, kann auf dem See des
Campingplatzes bei dem angebotenen Training seine Eskimorolle
unter Aufsicht perfektionieren. Die anderen, die sich lieber
für den folgenden Tag schonen möchten, können sich bei einer
Flachwasserrodeo-Aufführung des DM-Teilnehmers Helmut Wolff und
seinen Mitstreitern am Ufer des Sees entspannen.
Wie jeden Abend treffen sich auch heute die einzelnen Gruppen
und ihre Übungsleiter und besprechen welchen Abschnitt auf
welchem Fluss sie am folgenden Tag befahren werden. Wir haben
uns für den dritten Tag haben zwei Etappen auf der Guisanne
vorgenommen. Die Guisanne ist ein Gletscherbach dessen
Wasserstand je nach Wetter stark schwanken kann. Sie
präsentiert sich mir als ein leichter Gebirgsbach mit einem
Anspruch von WW 2-3. Leider ist der Wasserstand nicht so hoch
wie wir erwartet hatten, sodass wir die 3-4er Etappe am
Nachmittag streichen müssen. Dies ist zwar schade, aber ich
merke doch, dass ich etwas aus dem Training bin und spüre die
Anstrengungen der vergangenen Tage.

Für den Abend haben sich die Organisatoren etwas Besonderes
ausgedacht. Eine Beamer-Präsentation mit den Eindrücken der
vergangenen Tage. Aus über 3000 Bildern, die von den
Teilnehmern fotografiert und eingereicht wurden, hat unser
Trainer, Felix Hunzinger, eine Präsentation mit 600 Fotos
zusammengestellt. Das ergibt eine Vorführung, die sich kaum
Einer entgehen lässt. Für mich, der ich das erste Mal in diesem
Gebiet paddle, ist dies besonders reizvoll, da ich dadurch
Eindrücke der anderen Flüsse und Abschnitte bekomme.
Tag Vier: offiziell ist heute Ruhetag. Doch Ruhe ist nicht
gleich Ruhe. Während die einen Teilnehmer die matten Glieder in
der Hängematte ausruhen, gehen andere Unermüdliche selbst
organisiert auf den Bach. Wieder Andere wandern auf die nahe
gelegenen Gletscher, den Glacier Noir und den Glacier Blanc.
Für Diejenigen, die direkt vom Campingplatz starten möchten,
bietet sich eine Wanderung zur Festung auf dem Mont-Dauphin an,
dem Hochplateau. Andere gehen einfach nur am Fuß der Berge die
Murmeltiere füttern.
Ich mache mich mit einigen Gleichgesinnten zum Klettersteig in
der Burggrabenschlucht des Guil auf. Die nötige
Sicherheitsausrüstung kann man am Eingang zur Schlucht mieten.
Mit seinen einzementierten Griffen und Tritten sowie einem
durchlaufenden Sicherungsseil ist dieser Klettersteig für
nahezu Jedermann zu meistern. Vom Steig aus haben wir einen
herrlichen Ausblick in die Schlucht und auf den Fluss. Über
mehrere 100m zwängt sich das Wasser durch die enge Felsenklamm
und bietet einem Kanuten kaum größere Ruhepausen. Während wir
klettern, durchfährt eine Gruppe Paddler die Schlucht.
Eindrucksvoll demonstrieren sie die man in einem der wenigen
Kehrwasser gekenterte Boote leeren und die Schwimmer wieder ins
Boot zurückbekommen kann.
Es ist Donnerstag, heute paddeln wir auf dem Guil, demselben Fluss, den wir gestern zu Fuß erkundet hatten. Allerdings fahren wir ein wenig unterhalb der Schlucht. Dieses Teilstück ist für mich das bis dahin schönste Stück Wildwasser, das ich in Südfrankreich gefahren bin. Zahlreiche kleine Stufen, enge Durchfahrten, Schwallstrecken und das kombiniert mit dem klaren Wasser eines Gebirgsbaches bietet Wildwasserspaß vom Feinsten. Mit einigen Stellen, die wir in Augenschein nehmen, bevor wir sie befahren und einigen Stellen, an denen wir sichern, benötigen wir mehrere Stunden das nur 3 km lange Stück, ohne dass es langweilig wird.

Freitag, der sechste Tag der Wildwasserwoche. Erneut sind
wir auf der Guisanne unterwegs. Diesmal jedoch auf der
Waldschlucht. Der Wasserstand ist moderat, der Bach ist aber
bei diesem Stand befahrbar und flussabwärts wird es zunehmend
besser. Der Name Waldschlucht beschreibt die Strecke bereits.
Im Gegensatz zu den felsigen Schluchten des Guil verläuft die
Guisanne hier teilweise durch ein enges bewaldetes Tal. Über
größere Strecken ist dieser Abschnitt der Guisanne nicht zu
anspruchsvoll, aber immer wieder kommen kleine Stufen und
Katarakte die für Abwechselung sorgen. Eine Kombination aus
zwei schmalen Durchfahrten und zwei Stufen zwingt uns dennoch
aus dem Boot um die beste Route zu erkunden. Mittlerweile haben
alle Teilnehmer unserer Gruppe an Sicherheit und
Selbstvertrauen gewonnen, sodass jeder seine eigene Ideallinie
fährt. Da ich als letzter fahre wähle ich die mir am
elegantesten scheinende Durchfahrt. Anfangs heizt uns die Sonne
noch tüchtig ein und es ist angenehm dass wir im kühlen
Schatten paddeln. Als sich später der Himmel verfinstert und
der Regen auf uns einprasselt wird es rasch kühler und ich bin
dankbar als Felix unser Trainer das Tempo erhöht und wir die
restliche Strecke schwungvoll bewältigen.
Für den Abend haben unsere Veranstalter ein Kanupoloturnier
vorbereitet. Gespielt wird auf dem See des Campingplatzes, in
Wildwasserbooten. Als Tore dienen zwei über dem Wasser
aufgehängte Liegen. Als kleines Handikap und um das
Verletzungsrisiko zu reduzieren, spielen wir ohne Paddel. Nach
zweistündigem Turnier im K.O.-System haben sich die
Vorjahressieger, die Übungsleiter, auf den ersten Platz
durchgekämpft.
Kaum zu glauben dass wir bereits eine Woche hier sind. Bei der
Abschlussbesprechung am Samstagmorgen resümiert der
Organisator, Christoph Straub positiv. Auch von den Teilnehmern
höre ich nur zufriedene Stimmen. Selbst Jean-Luc, der Betreiber
des Campingplatzes hat sich lobend über die Disziplin der
BKV-Gruppe geäußert.
Um die einwöchige Veranstaltung abzurunden wird nun mit allen
Teilnehmern eine gemeinsame Fahrt auf der Durance durchgeführt.
Es ist schon beeindruckend als sich rund einhundert Kanuten am
Fluss versammeln und dann gruppenweise die Fahrt beginnen. Es
geht vom Campingplatz hinunter an die alte Slalomstrecke. Auf
der Slalomstrecke können alle die Gelegenheit nutzen um mit
ihren Booten in den Wellen und Walzen zu surfen und Rodeo
Tricks auszuprobieren. Die Trainer übernehmen die Sicherung und
sammeln Mensch und Material unterhalb der Strecke ein. Als nach
drei Stunden auch die hartgesottensten Paddler ihre Boote aufs
Autodach packen ist die Wildwasserwoche 2009 offiziell zu
Ende.
An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Trainern,
Organisatoren und Mitwirkenden bedanken. Ein besonderer Dank
gebührt Sonja und Christoph Straub, die die Wildwasserwoche
seit Jahren mit viel Engagement in ihrer Freizeit für den BKV
organisieren und durchführen.
Damit die Teilnehmer ein Jahr bis zur Wildwasserwoche 2010
nicht nur in schönen Erinnerungen schwelgen müssen, sondern
auch mit allen anderen Teilnehmern ohne viel Aufwand digitale
Fotos tauschen können, hat die Firma Amarin, wie schon im
Vorjahr die Bildertauschplattform www.alle-unter-einen-hut.de zur Verfügung
gestellt.
In diesem Sinne freue ich mich schon auf ein Wiedersehen mit
vielen Bekannten und hoffentlich auch vielen neuen Gesichtern
im Jahre 2010.
Von Thorsten Böhnke (Badischer Kanu-Verband)
