Das gleiche Aussehen wie in der laufenden Weltcup-Saison hat
jedoch das Team der Kajak-Einer. Hinter Mateusz Polaczyk aus
Polen fuhr Olympiasieger Alexander Grimm (Augsburg) in
Markkleeberg auf den zweiten Rang und löste damit ebenso das
Spanien-Ticket wie der drittplatzierte Sebastian Schubert
(Hamm) und Tim Maxeiner (Wiesbaden) auf Rang fünf, der
Ex-Weltmeister Fabian Dörfler (Augsburg/6.) um die Winzigkeit
einer Hundertstel Sekunde distanzierte.
„Das war eine schwierige Qualifikation. Es waren viele Hürden
zu meistern, bis die Entscheidung um 22:18 Uhr feststand. Das
ist schon eine ziemlich ungewöhnliche Zeit für einen Sportler.
Ich hatte vorher etwas Angst wegen der schwierigen
Lichtverhältnisse, aber die Tore hingen schön hoch, das war in
Ordnung“, sagte ein zufriedener Alexander Grimm. „Geiler Lauf!
Das hat richtig Bock gemacht, hier zu paddeln, auch die
Zuschauer sind richtig mitgegangen“, war auch Sebastian
Schubert von der Flutlichtatmosphäre im Kanupark Markkleeberg
begeistert. „Die letzten Wochen liefen nicht gut, ich bin seit
fast drei Monaten keinen vernünftigen Lauf mehr gepaddelt,
deswegen war ich heute vorher nicht gerade von mir überzeugt“,
war Tim Maxeiner umso glücklicher über den gelungenen
Finalauftritt.
Das Rennen der Canadier-Einer entschied der Augsburger Sideris
Tasiadis für sich. Ebenso für die WM qualifizierten sich Jan
Benzien (Leipzig) als Fünfter sowie einen Rang dahinter Lukas
Hoffmann (Dormagen). Gewohnt cool genoss der
Junioren-Weltmeister des vergangenen Jahres seinen Triumph
gegen die starken Slowaken und die nationale Konkurrenz: „Die
Bedingungen mit dem Licht und der späten Uhrzeit waren
überhaupt kein Problem für mich. Wir sind schon vor zwei Jahren
in Augsburg in der Dunkelheit gepaddelt. Das war alles ganz
normal.“ – „Das war mental die bislang härteste Qualifikation
für mich und ich bin schon einige gefahren. Ich habe mich von
Lauf zu Lauf gesteigert, aber trotzdem bleibt da noch ein
bisschen Arbeit für mich bis zur Weltmeisterschaft“, sagte Jan
Benzien. „Einfach nur glücklich“, war Lukas Hoffmann: „Das war
eine gute Woche für mich. Mit vier Läufen ohne Berührung bin
ich sehr zufrieden. Die WM ist für mich Entschädigung für den
verpassten Weltcup.“
Auch im Zweier-Canadier feierten die deutschen Kanuten einen
Heimsieg. Die Leipziger David Schröder/Frank Henze brachten auf
ihrer Hausstrecke einen Top-Lauf herunter und siegten vor den
Polen Pochwala/Szczepanski. Zum ersten Mal eine
Weltmeisterschaft bei den „Großen“ werden Robert Behling und
Thomas Becker (Schkopau) im September erleben. Sie belegten den
dritten Rang. Als Fünfte qualifizierten sich auch die
Ex-Weltmeister Marcus Becker und Stefan Henze für La Seu. „Der
Lauf war eine Befreiung, die musste heute aber auch an dieser
Stelle sein. Wir wären eigentlich aber auch mit der Platzierung
als drittes deutsches Boot zufrieden gewesen. Das Publikum war
spitze – ich habe meine eigenen Paddelschläge nicht mehr
gehört“, sagte David Schröder. „Ich bin erstmal sprachlos. Wir
müssen jetzt wohl erst mal ein Bier trinken gehen“, war die
Reaktion von Thomas Becker. Sein Bruder Markus war mit seinem
Finallauf nicht recht glücklich, „aber wir sind hier drei gute
Läufe gefahren und haben die Quali geschafft. Unser Ziel
WM-Medaille ist jetzt wieder drin.“
Bei den Damen triumphierte einmal mehr Altmeisterin Stepanka
Hilgertova aus Tschechien. Die Augsburgerin Claudia Bär wurde
Zweite, die weiteren WM-Tickets gingen an Jasmin Schornberg
(Hamm) sowie zum ersten Mal an Jacqueline Horn (Augsburg). „Ich
bin überwältigt. Ich hab mich mal wieder selbst überrascht.
Mehr kann ich dazu im Moment gar nicht sagen“, freute sich
Claudia Bär. „Ich war schon sehr nervös und dann haben mich die
Kampfrichter eine Minute zu früh auf die Strecke geschickt, das
war schon ein komischer Start. Ich wollte dann einfach nur
ruhig fahren. Zwei Qualis sind einfach die Hölle“, sagte Jasmin
Schornberg. Überrascht war Team-Neuling Jaqueline Horn: „Ich
habe nicht damit gerechnet. Ich wollte einfach nur fahren so
gut es geht und dann mal schauen, was dabei rauskommt.“
"Ich habe großen Respekt vor allen, die heute hier angetreten
sind. Wenn man sich die Ergebnisse anschaut, denke ich dass
sich die derzeit Besten auch durchgesetzt haben", bilanzierte
DKV-Chefcoach Michael Trummer.
German Open ICF Ranking Series (zweite
nationale WM-Qualifikation der deutschen Slalom-Kanuten) in
Markkleeberg
Ergebnisse der Finals
Herren, Kajak-Einer: 1. Mateusz Polaczyk (POL)
86,50 (0), 2. Alexander Grimm (GER/Augsburg) 87,82 (2), 3.
Sebastian Schubert (GER/Hamm) 88,12 (0), 4. Sebastien Combot
(FRA) 88,22 (0), 5. Tim Maxeiner (GER/Wiesbaden) 90,50 (0), 6.
Fabian Dörfler (GER/Augsburg) 90,51 (0), 7. Erik Pfannmöller
(GER/Halle/S.) 90,71 (0), … im Halbfinale ausgeschieden: 15.
Robert Süßenbach (GER/Leipzig) 95,30 (2).
Canadier-Einer: 1. Sideris Tasiadis
(GER/Augsburg) 90,10 (0) 2. Alexander Slafkovsky (SVK) 91,21
(0), 3. Matej Benus (SVK) 92,21 (0), 4. Michal Martikan (SVK)
92,36 (0), 5. Jan Benzien (GER/Leipzig) 92,69 (0), 6. Lukas
Hoffmann (GER/Dormagen) 95,11 (0), 7. Franz Anton (GER/Leipzig)
95,49 (0), 8. Nico Bettge (GER/Magdeburg) 95,90 (2), … im
Halbfinale ausgeschieden: 16. Martin Unger (GER/Halle/S.)
100,45 (2).
Canadier-Zweier: 1. David Schröder/Frank Henze
(GER/Leipzig) 97,41 (0), 2. Marcin Pochwala/Piotr Szczepanski
(POL) 99,15 (0), 3. Robert Behling/Thomas Becker (GER/Schkopau)
100,81 (0), 4. Damian Troquenet/Mathieu Voyemant (FRA) 102,08
(0), 5. Marcus Becker/Stefan Henze (GER/Halle/S.) 103,58 (2),
6. Felix Michel/Sebastian Piersig (GER/Spremberg) 104,15 (2), …
im Halbfinale ausgeschieden: 16. Daniel Junker/Martin Krenzer
(GER/Nürnberg-Fürth) 115,16 (6), 19. Kai Müller/Kevin Müller
(GER/Magdeburg) 182,85 (56).
Damen, Kajak-Einer: 1. Stepanka Hilgertova (CZE) 99,56
(0), 2. Claudia Bär (GER/Augsburg) 100,42 (0), 3. Gabriela
Stacherova (SVK) 101,00 (0), 4. Ursa Kragelj (SLO) 101,24 (4),
5. Jasmin Schornberg (GER/Hamm) 102,27 (0), 6. Jacqueline Horn
(GER/Augsburg) 103,84 (0), 7. Jennifer Bongardt (GER/Köln)
108,47 (2), … 10. Mira Louen (GER/Hilden) 121,68 (4), … im
Halbfinale ausgeschieden: 17. Melanie Pfeifer (GER/Augsburg)
152,44 (50).
Text und Foto: Jochen A. Meyer
